Nestlé Gewerkschafter in Kolumbien ermordet

Medienmitteilung Multiwatch, 10.11.2013

Letzte Woche traten Nestlé-Arbeiter in Kolumbien in den Hungerstreik, um den Nahrungsmittelkonzern an den Gesprächstisch zu bringen. Nestlé verweigert Gespräche seit Monaten. Statt nach einer Lösung des Konflikts zu suchen, hat Nestlé die Situation mit gefährlichen Anschuldigungen gegen die Gewerkschaft weiter angeheizt. Gestern Samstag ist nun ein Gewerkschafter ermordet worden.

Gestern Samstag, 9. November, wurde Oscar López Triviño, der seit 25 Jahren bei Nestlé in Bugalagrande Kolumbien arbeitete, mit vier Kugeln erschossen. Tags zuvor hatte die Nestlé-Gewerkschaft Sinaltrainal per SMS Morddrohungen erhalten. Darin stand: „Hurensöhne, die ihr noch immer Nestlé belästigt, jetzt gibt’s kein Pardon mehr, wir zerstückeln euch, Tod allen Kommunisten von Sinaltrainal.“ Unterzeichnet war die Drohung von der paramilitärischen Organisation „Los Urabeños“.
Wenige Tage zuvor hatten vier Sinaltrainal-Gewerkschafter einen Hungerstreik vor der Nestlé-Fabrik in Bugalagrande begonnen. Hintergrund ist ein lange dauernder Arbeitskonflikt. Nestlé hat die Gespräche mit der Gewerkschaft vor mehreren Monaten einseitig abgebrochen. Gleichzeitig hat die Unternehmensleitung den Druck auf die Gewerkschaft erhöht: Neu eingestellte ArbeiterInnen werden gedrängt, der Konkurrenzgewerkschaft Sintraimagra beizutreten, die im vergangenen Jahr während eines Arbeitskonflikts gegründet wurde und der Firmenleitung nahesteht. Damit wird die Gewerkschaft Sinaltrainal gezielt geschwächt und das Recht auf Gewerkschaftsfreiheit verletzt.
Statt eine Lösung des Konflikts zu suchen, hat der Nahrungsmittelkonzern Ende Oktober diesen zusätzlich angeheizt: Nestlé-Kolumbien-Chef Manuel Andrés Kornprobst bezichtigte die Gewerkschaft Sinaltrainal in einem in der Fabrik aufgehängten Communiqué, dass sie zu Gewalt und Sabotage aufrufe. Solche Verleumdungen sind in Kolumbien lebensgefährlich und machen Gewerkschafter zur Zielscheibe von Paramilitärs. Bereits in der Vergangenheit sind
14 Nestlé-Arbeiter ermordet worden, weitere haben Attentate erlitten oder mussten aufgrund von Drohungen die Region verlassen. Mit der Ermordung von Oscar López ist die Zahl der ermordeten Nestlé-Gewerkschafter auf 15 gestiegen.
Nach Beginn des Hungerstreiks hat vergangene Woche die Menschenrechtsorganisation MultiWatch einen offenen Brief an Nestlé-CEO Paul Bulcke gerichtet und ihn aufgefordert, dafür zu sorgen, dass Nestlé Kolumbien unverzüglich mit Sinaltrainal Gespräche aufnehme und alles unternehme, um das Leben und die Integrität der bedrohten Gewerkschafter und ihrer Familien zu schützen. Ebenfalls müsse Nestlé Kolumbien aufhören, die Gewerkschaft Sinaltrainal zu delegitimieren und diffamieren, gewerkschaftsfeindliche Massnahmen gegenüber Sinaltrainal unterlassen und den mit der Gewerkschaft Sinaltrainal ausgehandelten und unterschriebenen Gesamtarbeitsvertrag vollumfänglich erfüllen.
20 Schweizer ParlamentarierInnen wandten sich ebenfalls in einem dringlichen Schreiben an Herrn Bulcke. Sie unter-
stützten diese Forderungen und forderten ein Treffen mit dem Konzern.
In der Antwort an MultiWatch ging Nestlé nicht auf die dringenden Forderungen ein, sondern beschränkte sich auf schönfärberische Aussagen. Gleichzeitig werden elektronische Protestbriefe an den Konzern seit einigen Tagen mit dem Vermerk „Unzustellbar“ an die EmpfängerInnen zurückgeschickt.
MultiWatch protestiert energisch gegen das Verhalten von Nestlé. Der Konzern hat die Verantwortung, dafür zu sorgen, dass in seinen Fabriken Gewerkschaftsrechte garantiert werden. Wenn der Chef des Nestlé-Tochterunternehmens Aussagen macht, die das Leben der Gewerkschafter gefährden können, steht der Mutterkonzern in der Verantwortung, zu intervenieren und dafür zu sorgen, dass die Sicherheit der Gewerkschafter und ihrer Familien gewährt ist.
Wir fordern den Konzern erneut dazu auf, sofort bei seiner Tochterunternehmung in Kolumbien einzugreifen und dafür zu sorgen, dass es zu einer einvernehmlichen Lösung in diesem Arbeitskonflikt kommt. Ebenfalls muss sich die Konzernzentrale von lebensgefährlichen Diffamierungen distanzieren. Nestlé muss dafür sorgen, dass es zu keinen weiteren Drohungen, Gewaltakten oder Morden an Gewerkschaftern kommt, dass gewerkschaftsfeindliche Massnahmen gegen Sinaltrainal aufhören und der unterzeichnete Gesamtarbeitsvertrag vollumfänglich umgesetzt wird.
Dringend ist jetzt ebenfalls eine rasche unabhängige, lückenlose Aufklärung der Todesdrohungen sowie der Ermordung von Oscar López.

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